Monatsarchiv 29. Mai 2026

Angriff am Landgericht Hanau: Wenn Bedienstete den Rechtsstaat mit dem eigenen Körper schützen

Am Landgericht Hanau ist es am 20 Mai 2026 während einer Urteilsverkündung zu einem schweren Gewaltausbruch gekommen. Ein bereits einschlägig vorbestrafter, zu Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilter Angeklagter griff, trotz angelegter Handfesseln, die Staatsanwältin an und schlug ihr auf den Kopf. Sie erlitt unter anderem eine Schädelprellung und eine Verletzung der Halswirbelsäule. Zwei Justizwachtmeister wurden bei dem Einsatz ebenfalls verletzt.

Entscheidend ist, was die Berichterstattung teilweise unterschlägt.  Die vier eingesetzten Justizwachtmeister haben sofort und entschlossen gehandelt. Einer von ihnen brachte den Angreifer mit einem Haltegriff zu Boden und beendete so die Attacke. Dass die Lage nicht weiter eskalierte,  obwohl zeitgleich Angehörige des Angeklagten in den nicht, öffentlichen Bereich des Saals drängten, ist allein dem schnellen und körperlichen Einsatz dieser Kolleginnen und Kollegen zu verdanken.

Der Bundesverband  spricht den verletzten Beschäftigten seine volle Solidarität und Genesungswünsche aus. Unser Dank gilt den Bediensteten, die ihre eigene Gesundheit eingesetzt haben, um eine Kollegin zu schützen und die Funktionsfähigkeit des Gerichts zu sichern.

Der hessische Justizminister hat erklärt: „Wer Justizmitarbeiter angreift, greift den Rechtsstaat an.” Diesem Satz stimmen wir ausdrücklich zu, und wir nehmen die Politik beim Wort. Denn aus dieser Erkenntnis muss endlich Handeln folgen. Der Vorfall in Hanau ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer strukturellen Gefährdungslage, der die Justizwachtmeister in ganz Deutschland täglich ausgesetzt sind.

Wir fordern daher:

• Eine ausreichende Personaldecke pro Risikoverhandlung,  damit Eskalationen nicht nur beendet, sondern von vornherein beherrscht werden können.

• Moderne Schutz- und Einsatzausstattung sowie regelmäßige, einsatznahe Aus- und Fortbildung für den Umgang mit Gewaltsituationen.

• Die angemessene statusrechtliche Anerkennung des Justizwachtmeisterdienstes. Wer den Rechtsstaat im wörtlichen Sinne mit dem eigenen Körper verteidigt, verdient eine Eingruppierung und Wertschätzung, die dieser Verantwortung entspricht.

Hanau zeigt: Der Justizwachtmeisterdienst ist die letzte und oft einzige physische Schutzlinie im Gerichtssaal. Anerkennung in Sonntagsreden reicht nicht. Sie muss sich in Personal, Ausstattung und Besoldung niederschlagen.

Vorstandssitzung und Jahreshauptversammlung des Bundesverbandes der Justizwachtmeister e.V. 2026 in Bayern

Vom 11. bis 13. Mai 2026 fand die Vorstandssitzung sowie die Jahreshauptversammlung des Bundesverbandes der Justizwachtmeister e.V. in Augsburg statt.

Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet kamen zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftsthemen des Justizwachtmeisterdienstes auszutauschen.

Die drei Tage waren geprägt von intensiven Gesprächen, fachlichem Austausch und vielen wertvollen Begegnungen. Besonders die Vorträge und Beiträge des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz sowie der Polizeiinspektion Schwaben Nord sorgten für spannende Einblicke. Themen wie Nachwuchsgewinnung, aktuelle Herausforderungen im Dienstalltag sowie die behördenübergreifende Zusammenarbeit standen dabei besonders im Fokus.

Ein besonderer Dank gilt zudem der Behördenleitung des Landgerichts Augsburg für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Unterstützung vor Ort.

Vor allem aber möchten wir unseren bayerischen Kolleginnen und Kollegen des Justizwachtmeisterdienstes danken. Die Gastfreundschaft, die hervorragende Organisation und das abwechslungsreiche Rahmenprogramm haben diese Bundesversammlung zu etwas ganz Besonderem gemacht. Während der gesamten Veranstaltung war spürbar, mit wie viel Engagement, Herzlichkeit und Professionalität die Veranstaltung vorbereitet und begleitet wurde. Wir haben uns in Bayern jederzeit sehr gut aufgehoben gefühlt.

Die Bundesversammlung 2026 wird vielen von uns noch lange in Erinnerung bleiben. Wir nehmen zahlreiche neue Eindrücke, Ideen und Perspektiven mit nach Hause und freuen uns bereits jetzt auf das Wiedersehen im Jahr 2027 in Mainz.

Bundesversammlung 2026 in Augsburg

Landesverband Bremen/Bremerhaven bei der Bundesversammlung 2026 in Augsburg vertreten

Der Landesverband des Justizwachtmeisterdienstes Bremen/Bremerhaven e.V. nahm am 12. und 13. Mai 2026 an der Bundesversammlung des Bundesverbandes der Justizwachtmeister in Augsburg teil.

Im Rahmen der Versammlung wurden zahlreiche aktuelle Themen des Justizwachtmeisterdienstes beraten. Neben Fragen der Digitalisierung standen insbesondere Sicherheit, Gesundheitsmanagement, Nachwuchsgewinnung sowie zukünftige Entwicklungen innerhalb des Bundesverbandes im Mittelpunkt.

Ein besonderer Moment für unseren Landesverband war die einstimmige Wahl von Stefan Pleuß (Bremen) zum Schriftführer des Bundesverbandes der Justizwachtmeister. Ebenfalls einstimmig gewählt wurde Isabell Anstatt (Rheinland-Pfalz) zur stellvertretenden Schriftführerin.

Darüber hinaus stellte unser Vorsitzender Sascha Kranz den Landesverband Bremen/Bremerhaven den anwesenden Landesverbänden vor.

Besonders interessant waren die bundesweiten Erfahrungsberichte zum Thema Gesundheitsmanagement und Trainingsmöglichkeiten innerhalb der Justiz. Mehrere Landesverbände berichteten über eigene Trainingsräume und regelmäßige Einsatztrainings speziell für Justizwachtmeisterinnen und Justizwachtmeister.

Auch moderne Einsatzmittel zur Eigensicherung wurden diskutiert. Hierzu erfolgte unter anderem ein Erfahrungsbericht aus Rheinland-Pfalz zum dortigen Taser-Projekt.

Ein weiterer besonderer Programmpunkt der Bundesversammlung war der Besuch hochrangiger Vertreter der Bayerischen Justiz.

Frau Dr. Gramm berichtete über Maßnahmen und Konzepte zur Nachwuchsgewinnung innerhalb der Bayerischen Justiz und gewährte den anwesenden Landesverbänden interessante Einblicke in die Strategien und Entwicklungen des Freistaates Bayern im Bereich Personalgewinnung und Nachwuchsförderung.

Darüber hinaus richtete Herr Ministerialdirigent Dr. Carsten Schulz im Namen des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz ein Grußwort an die Bundesversammlung.

Die Teilnahme und Wertschätzung seitens der Bayerischen Justiz und des Ministeriums unterstrichen die Bedeutung der Bundesversammlung sowie die wichtige Rolle des Justizwachtmeisterdienstes innerhalb der deutschen Justiz.

Die Bundesversammlung bot erneut einen wichtigen Austausch zwischen den Landesverbänden und zeigte deutlich, wie wichtig die gemeinsame Zusammenarbeit innerhalb des Bundesverbandes ist.

Die nächste Bundesversammlung wird 2027 in Mainz stattfinden.

Für 2028 wurde zudem Bremen als möglicher Austragungsort angesprochen.

Zum Abschluss möchten wir uns herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen des Landesverbandes Bayern für die hervorragende Organisation, die gastfreundliche Betreuung sowie die gelungene Ausrichtung der Bundesversammlung 2026 in Augsburg bedanken.

Die Veranstaltung war geprägt von einem kollegialen Austausch, interessanten Fachthemen und einer ausgezeichneten Organisation. Bayern hat sich als würdiger Gastgeber präsentiert und einen maßgeblichen Beitrag zu einer rundum gelungenen Bundesversammlung geleistet.

Vielen Dank für die große Mühe, das Engagement und die herzliche Atmosphäre während der gesamten Veranstaltung.